Mit dem Containerschiff von Hamburg nach Auckland via Suezkanal
Januar - März 1996

Teil 3 Indischer Ozean

Der Indische Ozean und 19 Tage nur Meer, Meer und noch mehr Meer liegen vor uns. Alles ganz geruhsam und fern ab von allem. Wenn jetzt irgendetwas passiert, d.h. wenn irgendwer ernsthaft krank wird, dann bleibt nur unser kleines Krankenzimmer und Bodos medizinische Ausbildung, die jeder Schiffs-Offizier, er im Hafenkrankenhaus Hamburg, genossen hat. Er wäre theoretisch auch möglich, über Funk von extra dafür ausgebildeten Ärzten angeleitet, eine Operation durchzuführen. Schon eine komische Vorstellung. Auch bekommen wir den Umgang mit dem Rettungsboot erklärt. Eine allgemeine Sicherheitseinweisung haben wir natürlich am Anfang unserer Reise schon bekommen..jeder hat seine eigene Schwimmweste im Schrank in der Schlafkammer. Auch eine Notfall-Übung haben wir schon hinter uns. Ein bestimmter Sirenenton fordert dann alle auf, Schwimmwesten anzuziehen und sich schnellstens zum Rettungsboot zu begeben. Ich hatte das natürlich wieder nicht richtig mitbekommen und war auf der Kammer geblieben, als die Sirenen schrillten. Da stürmten kurz drauf zwei Philippinos in voller Notfallausrüstung in die Kabine und schrien: "Karin, we must rescue you, come come!!" Ich nun wieder.

Jedenfalls mussten wir heute alle (zum Glück hintereinander in kleinen Gruppen) in das Boot einsteigen. Ich hoffte inständig, dass es bloss nicht im Ernst dazu kommen würde, dass wir das Ding benutzen mussten. Schon jetzt, bei geöffneter Tür, wurde mir übel darin, es roch ekelig und war sehr eng alles, nicht auszudenken wie es sein würde, wenn wirklich alle 21 Personen drinsitzend, die Tür verschlossen würde und wir "abgeschossen" würden. Das Rettungsboot fliegt dann eine Weile durch die Luft und landet in einiger Entfernung vom Schiff im Wasser bzw. schiesst erstmal einiger Meter unter Wasser. Und dann eventuell einige Tage bis zur Rettung da drin eingeschlossen?? Gott bewahre!!!

Am nächsten Abend wurde unsere Ozeanüberquerung mit einer Grillparty eingeleitet. Schon nachmittags fingen alle an, Partytische und –Bänke auf unser grosses Deck zu bringen. Der grosse Grill wurde aufgebaut und in der Küche herrschte Hochstimmung. Salate wurden gezaubert, Fleischspiesse zusammengesteckt und Unmengen von Fleisch und Würtschen auf Platten verteilt.

Die Stereoanlage wurde draussen aufgebaut und zur Einstimmung lief schon mal Musik in voller Lautstärke. Ehepaar etepetete war etwas pikiert, dass sie sich zusammen mit den Philippinos, also dem niederen Volk, an einen Tisch setzen sollten. Es wäre ihnen doch lieber gewesen, wie bei einem Käptainsdinner, nur mit den Offizieren und notgedrungen auch uns zu feiern. Es wurde ihnen aber unmissverständlich klar gemacht, dass sie ja nicht teilnehmen müssten. Basta!! Zu unser aller Freude stocherten sie auch nur kurz in ihrem Salat rum und verliessen das Fest noch bevor es richtig angefangen hatte. Wir haben bis spät in die Nacht getanzt, gesungen und gelacht. Mary wurde zur Partyqueen und liess kaum einen Tanz aus. Konnten wir uns ja auch nicht leisten bei nur zwei Frauen und 18 Männern!! Zum Glück hatten wir eine Menge CDs dabei und der absolute Renner des Abends war "Aloha Heya He" von Achim Reichel. Das muss man sich mal ganz genau vorstellen. Mitten in der Nacht auf dem Indischen Ozean fährt mit ca. 18 Knoten ein einsames Containerschiff. Hinter den Aufbauten auf Deck zwei stehen 20 Menschen und gröhlen zur voll aufgetreten Stereoanlage "Aloha Heja He" und vierzig Arme sind dem fantastischen Sternenhimmel entgegengestreckt und schwingen im Tankt hin und her. Das ist Lebensfreude pur.

Am 13. überqueren wir um 10:32 (Zeitzone z+5) den Äquator. Wurde aber kein grosses Trara drum gemacht. Ich durfte mal das Schiffshorn tuten lassen...macht einen Höllenlärm...und das war es auch schon. Wolfgang ist mittlerweile zum Computer-Einweiser geworden und verbringt mehr Zeit in der Maschinenzentrale als sonstwo. Und ich aale mich in der Sonne, lese, lese, lese und träume vor mich hin.

An einem Tag haben Mary und wir eine Maschinenbesichtigung gemacht. Wir mussten alle einen Ohrenschutz (sehen aus wie Kopfhörer) anziehen, denn der Lärm im Maschinenraum ist gefährlich für’s Gehör. Schon beeindruckend diese gewaltigen Maschinen. Auch die Trinkwasseraufbereitungsanlage ist riesig. Ehrlich gesagt, hab ich mich nicht sehr wohl da unten gefühlt und hab meinen Teil der Besichtigung etwas abgekürzt.

Im Meerwasserswimmingpool war ich auch nur einmal. Da er direkt über dem Maschinenraum lag, war es recht laut in dem Raum und das Wasser schwappte immer hin und her und alles hallte ganz schrecklich. Und ich ganz alleine im Pool. Nee danke, ich hatte einfach Angst.

So langsam wuchs mein Verlangen nach frischem Obst und Milchprodukten immens. Überhaupt war das Angebot an Speisen recht dürftig geworden...nein hungern musste keiner...aber!!!! Auch wurde die Stimmung unter den Offizieren immer angespannter. Was genau los war, haben wir nie erfahren, jeder erzählte unter dem Mantel der Verschwiegenheit was anderes. Ausserdem hatte Christian tierische Rückenschmerzen und konnte sich kaum noch bewegen.

Es wurde also langsam Zeit, nach Melbourne zu kommen. Am 21. ist dann auch schon Land in Sicht. Die südöstlichste Spitze Australiens und am 25. nehmen wir um 16:30 den Lotsen für Melbourne an Bord. Die ersten "Australier" die uns begrüssten, waren eine Gruppe von Delphinen, die eine ganze Weile neben uns her schwammen und ausgelassen aus dem Wasser sprangen. Sie machten den Eindruck, als würde dieses Begrüssungsspiel eine Menge Spass machen.

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