Mit dem Containerschiff von Hamburg nach Auckland via Panamakanal
Oktober - Dezember 1997

Teil 2 New York - Panamakanal


Auf dem Weg nach Norfolk beschlossen Cookie und ich abends beim Bier, dass wir am nächsten morgen zusammen Rinderrouladen zum Mittagessen machen würden. Und ich blöde Kuh geh drauf ein und stimme zu...schon alleine aus diesem Grund, sollte man keinen Alkohol trinken, man verspricht die bescheurtsten Sachen. Na denn. Am nächsten morgen also früh raus, und 8 beim Frühstück erschienen, was allen Offizieren und den Passagieren lautes Gelächter und sogar wilden Applaus entlockte. (Ausser später in Panama-Kanal war es auch das einzige Mal, dass ich zum Frühstück erschein, mein Mann, glaube ich, nie). Und mir war gar nicht gut. Mein Schädel brummte und das laute Gelächter und Bravo-Gerufe trug auch nicht zur Besserung bei. Also schnell einen Kaffee und dann auf in die Kombüse.

Nur zur Einstimmung...die See war nicht gerade ruhig, nein, es scheukelte ganz schön...in der Kombüse war es stickig-heiss...von Mr. Proper hielt Cookie nicht allzu viel, dementsrechend sah es in den Ecken und Regalen aus...in der Spüle lag das fettige Fleisch für das Mittagsessen der Philippinos zum Auftauen und einige Fischköpfe für deren Fischsuppe...und ich hatte einen Kater...Es hiess also Augen und Nase zu und durch. Nie vorher und auch nicht hinter her habe ich 30 Rouladen auf einmal gemacht. Aber als Cookie dann laute karibische Musik eingestellt und mich erst mal zu einem kleinen, ausgelassenen Tänzchen aufgefordert hatte, war es der reinste Spass. Er schnitt die Rouladenscheiben von einem enormen Stück Fleisch, Gurken, Speck und Zwiebel in kleine Stücke und ich bestrich die Teile mit Senf, füllte und rollte sie wie am Fliessband. Und kaum zu glauben, aber wahr...um Punkt zwölf trugen wir Rouladen mit leckerer Sosse, Rotkohl und Kartoffel auf. (Zum Nachtisch gab es Schoko-Pudding...man nehme SECHSUNDDREISSIG Esslöffel Puddingpulver......!!!) Ob alle unter normalen Umständen so begeistert gewesen wären, vermag ich nicht zu glauben, aber nach wochenlangem Cookie-Einheits-Eintopf mampften alle mit grossem Appetit. Auch Sebastian aß ausnahmsweise mit in der Messe und nicht bei seinen Kameraden im "Restaurant zum Philippino".

Am 10.11. lagen wir im Hafen von Charleston. Endlich angenehmes, sonniges Wetter und wir liegen den ganzen Tag in der Sonne. Abends gehen wir an Land und genehmigen uns ein aussergewöhnlich leckeres Abendessen in einem alten, gediegenen Lokal. Am nächsten Tag nehmen wir Sebastian mit an Land und erkunden Charleston. Wie in einem Freilichtmuseum für Südstaaten-Architektur. So eine schöne Stadt habe ich selten gesehen. Ein Haus prächtiger als das andere, dazu üppige Bepflanzung in allen Vorgärten. Wer einmal in der Nähe sein sollte muss sich diese Stadt einfach anschauen.

Bevor wir wieder zum Schiff fuhren gingen wir noch in einen Supermarkt um ein bisschen Proviant einzukaufen. Nicht nur die Fischtheke war äusserst beeindruckend auch die Obst- und Gemüseabteilung bot alles, was man sich nur vorstellen kann. Ich kaufte ein grosses Stück Thunfisch , Sojasosse, Wasabi-Pulver und Stäbchen und an Bord in unserer Kabine bereite ich für Sebastian und mich Sashimi vor. Ein Festessen!!!


Vielleicht ist dem einen oder anderen beim Lesen schon aufgefallen, dass ich nicht wie im ersten Bericht, von dem Nightlife etc. an Bord geschrieben habe. Ganz einfach, es fand nahezu nicht statt. Nur ansatzweise, es gab oft Meinungsverschiedenheiten und mein Mann und ich hatten pausenlos Krach. Meine Tagebucheintragungen ende auch kurz nach Charleston mit den Worten....ich kann die Leute nicht mehr sehen, mir ist pausenlos kotzübel, was nicht die Seekrankheit sein kann, eher ein psychisches Problem....noch drei Wochen...habe Heimweh...ob ich mir das noch mal antue? Ich bezweifle es!

Von jetzt an muss ich mich auf meine Erinnerung verlassen...nach 6 Jahren nicht so einfach, aber ich versuche es mal.

Kurz vor dem Panamakanal war die übliche Grillparty angesagt. Der Kapitän plante das ganze ohne die Philippinos. Ok, dann sollte sie auch ohne uns stattfinden. Wer ihn nun umstimmte, weiss ich nicht, auf jeden Fall kam ein Bosun (Obermatrose der Philippinons) zu uns und bat uns, teilzunehmen, sie seinen auch alle dabei.

Es war alles so anders als beim letzten Mal. Es kam keine rechte Stimmung auf, Mary gluckte um ihren Captain rum, der Rest der Offiziere besoff sich abseits, und beiden Franzosen versuchten auf ihre Art zur Belsutigung beizutragen, aber leider verstanden wir nicht viel von ihren Erzählungen und Opi nickte und lachte allen zu, war bester Laune, hatte sein Hörgerät nicht dabei und weit ab von gut und böse. Zusammen mit Sebastian hatten wir ein Ratespiel für die Schiffsjungs vorbereitet. Sie sollten das Durchschnittsalter ALLER an Bord erraten und auf einen Zettel schreiben. (Wir hatten vorher aufgrund der Passagier- und Besatungsliste das korrekte Durchschnittsalter ausgerechnet) Dem Gewinner winkte eine Magnum-Flasche Champagner. Als wir anfingen, die Zettel auszuteilen, bestand der Kapitän darauf, dass alle, auch Passagiere und Offiziere/Ingenieure teilnahmen und natürlich er auch. Was sollten wir tun? Den Abend ganz verderben? Es nahmen alle teil. Zum Ermitteln des Gewinners wurde uns vom Kapitän der 1. Offizier als "Notar" zur Seite gestellt. Ich wurde das Gefühl nicht los, das der Kapitän unbedingt gewinnen wollte, er hätte ja auch das Alter von allen ungefähr im Kopf haben können. Als der Gewinner feststand, jubelten wir vorab schon mal laut. Die Bekanntgabe war meine Sache. Ich machte es spannend.....mein Mann spielte auf den Tischen eine Art Trommelwirbel and the winner was....DER BOSUN.


Na das Gesicht und die Freude der Jungs hättet ihr sehen sollen. Die Riesenflasche wurde ihm überreicht, ein Küsschen rechts und links von mir dazu und der Abend war für unsere Seite der Party gerettet. Das Altersheim und die "Oberen" gingenbald zu Bett und wir feierten bis in den frühen morgen, das erste und einzige Mal richtig ausgelassen.

Ein wirklich grosses Erlebnis ist die Durchfahrt durch den Panamakanal. Wegen Wassermangels in den unteren Schleussen hatten wir zwei Tage "Zwangsaufenthalt" im Gatun-See, der dazu genutzt wurde, eine Art Frühjahrsputz auf dem Schiff zu machen. Mir machte es grossen Spass durch mein Fernglas zu beobachtenm, was auf den anderen Schiffen so los war, die mit uns gemeinsam auf eine Weiterfahrt warteten. Und dann gings es spät nachmittags los. Natürlich mit einem Lotsen an Bord. Kurz vor den Schleusen kommt dann eine ganze Mannschaft an Bord, die "Kanal-Crew". Sie belagerten mit Hängematten, Luftmatratzen und Proviant den vorderen Teil des Schiffes und wurden von unseren Philippinos strengstens beobachtet.
Es war auch nicht gerne gesehen, dass wir Passagiere uns während der Schleusenarbeit vorne aufhielten, aber ich tat es "heimlich" trotzdem, weil es so irre interessant war. Zunächst fährt man ja durch eine unheimlich enge Fahrrinne, rechts und links leben Menschen, die zum Greifen nah sind, man hat das Gefühl, ihnen die Hand schütteln zu können. Und dann Schleusseneinfahrt. Rechts und links stehen kleine Loks und das Schiff wird mittels starken Tauen an ihnen festgemacht. Dann ziehen diese Loks das Schiff ganz langsam und vorsichtig in die Schleuse. Es sieht für den Laien eigentlich alles ganz einfach aus, ist aber ein schwieriges Manöver. Und das wiederholt sich bei jeder der drei Schleusen aufs Neue.

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