Mit dem Containerschiff von Hamburg nach Auckland via Panamakanal
Oktober - Dezember 1997
Teil 3 Panama - Auckland
Jetzt stand uns die Äquatortaufe bevor. Sehr früh am morgen war Treffen auf der Brücke, der Kapitän hatte für jeden von uns eine Urkunde erstellt auf der unser Seename stand (habe meinen leider vergessen und die Urkunde ist irgendwo, aber wo?). Wir standen auf dem "Brückenbalkon" und wurden getauft. Dazu tauchte der Kapitän eine Suppenkelle in einen Einer mit Meerwasser und lies den gesamten Inhalt über unseren Kopf laufen. Jetzt war ich wach!!! Allerdings hat der Sekt hinter her mich gleich wieder um Stunden zurück geworfen.
Unser nächstes Ziel war Papete, Tahiti. Hier waren zwei Tage Liegezeit angesagt und das wollten die Offiziere nutzen, um das Rettungsboot zum Funtionstest "abzuschiessen". Wir machten uns so schnell wie möglich aus dem Staub, denn um nichts in der Welt wollte ich ohne grosse Not nochmals in dieses Ding und schon gar nicht damit durch die Luft fliegen und danach tief ins Wasser eintauchen. Der nette Zollbeamte nahm uns mit in die Stadt . Man hatte uns ein sehr schönes Resort auf einem Berg über der Stadt fürs Übernachten empfohlen. Wir bekamen eine sehr schönes Zimmer mit Blick über die Stadt und aufs Meer, stellten unser Gepäck ab und fuhren zurück zur Stadt. Nee, nicht besonders schön. Aber die grosse Markthalle war einen Besuch wert. Hier habe ich mir drei wunderschöne Pareos gekauft (ich habe mir von allen Inseln die wir in der Südsee besucht haben und von Cairns, Australien welche mitgebracht und sie gehören immer noch zu meiner liebsten Sommerbekleidung, werde zwar ab und zu etwas scheif angeschaut, wenn ich damit auch im Supermarkt erscheine...aber ...), und natürlich bestand mein Mann darauf, mir eine schwarze Perle zu kaufen. Wir gingen in einen der staatlich zugelassenen Perlenshops und ich konnte mich kaum satt sehen an der grossen Auswahl tarumhafter Perlen. Ich nannte der Verkäuferin den Preis, den ich höchstens bereit war auszugeben (Männe grummelte rum, ich solle meinen Geiz doch ein Mal vergessen) und sie kam mit einem Säckchen voll der infrage kommenden Perlen. Ich suchte mir eine aus, dazu eine Anhängerfassung und eine Stunde später konnten wir das gute Stück abholen. Als Geschenk bekam ich noch eine Austernschale.
Zurück im Hotel legte ich meinen neuen Pareo und meine neue Perle an und wir trafen uns auf der Terrasse zum Sundowner. Und hier war es wieder, dieses unbeschreibliche Südseegefühl. Es ist warm, der Cocktail schmeckt besser als irgendwo anders, die polynesische Musik im Hintergrund und am Hrizont geht die Sonne im Meer unter.
Den nächsten Tag verbrachten wir auf der Resortanlage an einem Pool unter Palmen und hatten eigentlich gar keine Lust mehr zurück aufs Schiff zu gehen...
Aber am Abend fanden wir uns natürlich wieder ein und fuhren in der Abenddämmerung aus dem Hafen.
Der letzte Hafen vor Auckland war Noumea, Neu Kaledonien. Auch hier hatten wir bis zum übernächsten Tag "frei". Wenn jemand unbedingt mal einfach so sehr viel Geld ausgeben möchte dann ist diese Insel ein Geheimtip. Wir gingen nur in ein ganz einfachen Imbisstuben essen, hatten aber, was die Preise anging, das Gefühl in einem 6-Sterne-Restaurant zu sein. Wir hatten von einem angeblich schönen Hotel am anderen Ende der Insel gehört, mieteten ein Auto und fuhren hin. Nee was ist diese Insel hässlich und trostlos. Nichts ausser karger, vertrockneter, steiniger Landschaft. Und das Hotel ein einziger Nepp-Flopp.
Zurück an Bord wurde uns von einem sehr übernachtigten zweiten Ingenieur erzählt, dass die Herren Offiziere am Vorabend in einem "Vergnügungslokal" versackt waren und nicht nur unter einem schweren Kater litten, sondern auch einen grossen Teil ihrer "Heuer" an Land gelassen hatten.
Ein paar Tage später kam Auckland in Sicht und ich muss sagen es war höchste Zeit. Mein Mann und ich waren noch nie so nah an einer Scheidung wie damals und wenn das ganze noch länger gedauert hätte, wäre u.U. einer von uns ganz zufällig über Bord gegangen. Im Gegensatz zur letzten Reise konnten wir es kaum abwarten bis endlich die Einreiseformalitäten erledigt waren, wir zerrten unser Gepäck alleine von Bord und warteten nicht auf die Hilfe der Philippinos. Ich glaube richtig verabschiedet haben wir uns nur von Cookie. Sebastian nahmen wir mit an Land, wir hatten ihn eingeladen mit uns zum Abscheid in unser Lieblings-Steakhouse zu gehen und ihm versprochen, er dürfe so viel essen, wie er wolle. Noch nie in meinem Leben habe ich einen Menschen so viel Fleisch essen sehen, dazu Baked Potatoes, gegrillte Champignons und Salat in Mengen. Wir waren so verblüfft, dass wir unser im Verhältnis dazu kleines Steak kaum runter bekamen. Wir brachten ihn noch zurück zum Schiff und weinten ihm, dem knallroten Containerschiff, keine Träne nach.
Sicherlich ist dieser Bericht ungerecht, die anderen Passagier hatten alle eine wunderschöne Zeit, aber wir waren so verwöhnt von der ersten Reise und die Enttäuschung, dass es sich nicht wiederholte, war einfach zu gross.