05. März 1996 Auckland
Wir waren angekommen!!!!! Und jetzt standen wir da und wussten eigentlich nicht so recht, wie es weitergehen sollte. Geplant war, in Auckland eine Wohnung zu mieten, die uns als "Stützpunkt" dienen sollte. Und von dort aus wollten wir dann die Nordinsel und die Südsee, die ja vor der "Haustür" lag, erkunden. Also gingen wir zu einem Makler und liessen uns einige Wohnungen zeigen. Die Wohnungen, die wir uns hätten leisten können, waren in einem schrecklichen Zustand, die guten viel zu teuer. Kleines Appartment minumum DM 2.600 monatlich. Das kam nicht in Frage. Ich hatte eine Adresse in Rotorua von einem älteren Ehepaar, dass ich brieflich durch meine Exfirma kennengelernt hatte. Sie hatten mir viel Information über Neuseeland zugeschickt und uns mitgeteilt, dass ihre Tochter zusammen mit ihrem Mann, ein kleines Motel in Rotorua führten. Wir beschlossen, einfach mal hinzufahren. Von Auckland Richtung Süden führt übrigens das einzige kurze Stück Autobahn Neuseelands. Jedenfalls war das damals noch so. Als wir die verlassen hatten fuhren wir durch herrliche Gegenden. Und die klare Luft liess alle Hügel und Wiesen unwirklich aussehen, ähnlich einer Anlage einer elektrischen Spielzeugeisenbahn. Am Strand von Waihi haben wir unsere ersten Muscheln gesammelt. Die Wellen dort waren leider sehr hoch und das Wasser saukalt, also nix zum Baden.
Um 15:00 Uhr näherten wir uns Rotorua, schon von weitem begrüsst von einem widerlichen Schwefelgestank. Der ist eine "Spezialität" von Rotorua und stammt von dem schwefelhaltigen unterirdischen Gebrodel. Die ganze Gegend um Rotorua ist vulkanisch. Fast alle Menschen haben einen sogenannten Spa im Haus, einen Pool, der mit direkt aus der Erde kommendem heissen Wasser gefüllt wird. Unser Motel hatte einen im Haus und einen als Whirlpool im Garten. In dem haben wir uns bei auch ganz niedrigen Aussen-Temperaturen spät abends mit einem Drink in der Hand geaalt. Wenn man durch die Stadt geht, kommt es immer wieder vor, dass es einfach so aus einem Spalt zwischen den Steinen qualmt.
Aber zurück zur Ankunft.
Mit Ines und Gerhard, den Motelbesitzern, haben wir uns sofort sehr gut verstanden und haben ausgemacht, dass wir eins ihrer Motel-Appartments fest mieten für DM 1000,- mtl. So hatten wir ein grosses Wohnzimmer mit offener voll ausgestatteter Küche und Essplatz, ein kleines Schlafzimmer und ein Duschbad. Natürlich war das "Wohnzimmer" nur mit Betten möbliert.
Um es wohnlich zu gestalten fuhren wir am nächsten Tag los und besorgten eine Couchgarnitur, einen Couchtisch, einen gemütlichen alten Schreibtisch mit passenden Stuhl, ein paar Lampen und Regale fürs Sclafzimmer,alles gberaucht aus einem Second-Hand-Möbelgeschäft und einige Dekostücke und Topfplanzen. Dann bauten wir die Betten im Wohnzimmer ab, der Möbelwagen fuhr vor und in null komma nix war unsere neue Wohnung saugemütlich.
Ines und Gerhard staunten nicht schlecht, wie irre schnell das alles ging. Total neuseeland-untypisch. Als nächstes eröffneten wir ein Konto bei einer neuseeländischen Bank. Ging ganz unbürokratisch.
Nun mussten wir erstmal wieder nach Auckland, um den Leihwagen zurück zu geben. Der Autovermieter gab uns die Adresse eines befreundeten Autohändlers bei dem wir dann vollkommen problemlos einen Suzuki-Geländewagen kauften. Es war vertraglich festgelegt, dass wir ihn am Ende unseres Aufenthaltes gegen einen festgelegten Preis, vorausgesetzt, dass das Auto in Ordnung war, zurückgeben konnten. Die Versicherung wurde auch gleich vor ort geregelt. Die Police wurde uns ins Motel geschickt. Ich bezweifle, dass das in Deutschland so ohne weiteres möglich ist. Ausländer ohne festen Wohnsitz in Deutschland kaufen ein Auto und werden versichert, einfach so.
Jetzt hatten wir alles, was wir brauchten und unser "Leben" in Neuseeland konnte anfangen.
Da es sehr viele, sehr gute Reiseberichte mit fantastischen Fotos von Neuseeland gibt, möchte ich hier nicht den 389sten schreiben. Auch habe ich keine Fotos da wir alles mit der Videokamera gefilmt haben und von den besonderen Attraktionen hab ich wunderschöne Postkarten gekauft, so gute Bilder hätte ich eh nie machen können. Daher versuche ich einige besonderen Eindrücke und Begebenheiten aufzuschreiben.
Ich habe Neuseeland immer als Bonsai-Europa bezeichnet. Landschaftlich findet man so ungefähr alles, was es in Europa auch gibt, nur halt ganz eng zusammen. Es ist wirklich ein Land für absolute Outdoor-Freaks mit einer Vorliebe für Extrem-Sportarten. Wir beide, nicht die sportlichsten, vermissten z.B. gemütliche Lokale. Ausser in Auckland und in Rotorua hatten wir da keine Chance. Abends scheint alles wie ausgestorben und man findet nur, meist gähnend leere, schreckliche Lokalitäten. Na ja, wer den ganzen Tag Bungee springt, Wildwasser fährt oder wandert, liegt abends in der Koje. Nein, mit gefährlichen Tieren wurden wir nicht konfrontiert, aber Kakerlaken in Hotelzimmern waren keine Seltenheit und einmal spazierten die Viecher sogar vollkommen ungerührt über die Theke in einer Kneipe. Zum unsportlich sein gehört noch dazu, dass wir beide Raucher sind und zu allem Überfluss auch noch gerne ein, zwei Glas Wein bzw. Bier zum Abendessen mögen. Wieder meistens schlechte Karten. In vielen Lokalen ist das Rauchen verboten und abends draussen sitzen ist auch für neuseeländische Verhältnisse zu kalt. Und bis man sich daran gewöhnt, erst in einem Liquerstore Wein bzw. Bier einzukaufen und dann mit der braunen Papiertüte durch die Strassen zu wandern auf der Suche nach einem Restaurant, brauchts auch eine Zeit. Denn viele Speiselokale führen keinen Alkohol. Die Lizenz ist wohl sehr teuer.
Da wir bis fast in den neuseeländischen Herbst hinein in Neuseeland waren, und dieser 1996 sehr kalt war, mussten wir des öfteren in Hotels übernachten, in denen es keine Heizung gab, nicht mal einen Heizlüfter im Bad. Und Mischbattereien gibt es auch keine. Ich kann nur sagen, ich habe des öfteren aufs Duschen verzichtet und mir nur eine Katzenwäsche mit kaltem Wasser gegeben. Nur als Beispiel, wir waren im Norden von Auckland unterwegs und hatten unsere Bleibe für die Nacht gefunden. Das Hotel hatte auch das einzige Restaurant im Ort. Wir wurden in einen riesengrossen, gähnend leeren Saal geführt und suchten uns einen Tisch, an den wir uns aber nicht setzen durften, angeblich waren alle Tische bis auf einen in der Nähe des Eingangs reserviert. Wir staunten, aber liessen uns an diesem nieder. Es kam übrigens den ganzen Abend kein weiterer Gast, aber, da es eiskalt in dem Saal war, warf man einen enormen Heizlüfter an, hab so was in Deutschland nur auf Baustellen gesehen. Und das Ding donnerte dann los, direkt über unseren Köpfen (Deshalb der Tisch in der Nähe des Eingangs). Die Alternative zum Restaurant war eine Kneipe nebenan. Dort war es auch saukalt, aber die Jungs dort hatten sich ordentlich einen hinter die Kehle gekippt . Dementsprechend "gesellig" war auch die Stimmung dort und wir zogen es vor, den Rest des abends dann doch auf dem Zimmer zu verbringen. Man hatte uns Heizdecken angeboten, vor den Dingern habe ich aber Angst. Also blieben wir angezogen und krochen in die klammen Betten.
Noch was zur Kälte. Es hatte wirklich in einer Nacht sogar etwas geschneit. Am nächsten morgen kam im Radio die Warnung an Maoris, ihren Kindern bitte Schuhe und warme Klamotten anzuziehen, da Erfrierungen drohten. Wir konnten es nicht fassen.
Ein wirklich überwältigendes Erlebnis hatten wir, als wir von den Fijis zurück kamen. Auf der Fahrt vom Flughafen Auckland nach Rotorua hören wir im Auto die Nachricht, das der Mt. Ruhapehu ausgebrochen sei. Die Asche hätte Rotorua verdunkelt. Wir fahren trotzdem weiter und plötzlich, mehr oder weniger um die Ecke kommt uns eine schwarze Wolke entgegen. Total gruselig war das und links und rechts auf den Strassen und Autos lag schwarze Asche, es sah als hätte es geschneit, nur halt in schwarz. Unser Flugzeug war eins der letzten, was in Auckland landen durfte, da die Aschewolke bald Auckland erreicht hatte. In den nächsten Tagen wurde übers Radio bekannt gegeben, dass wegen der Reinigung der Strassen, Autos und Grundstücken eine Wasserknappheit aufgetreten sei und nur noch an bestimmten Tagen...Häuser mit einer geraden Hausnummer z.B. montags und mittwochs und mit ungeraden dienstags und donnerstags den Wasserschlauch benutzen durften.
Nachdem wir recht viel von der Nordinsel gesehen hatten, wollten wir endlich die Südsee "erobern". Wir buchten Flug und Hotel auf den Cook Islands, fuhren nach Auckland und bestiegen den Flieger. SÜDSEE WIR KOMMEN !!