Maximilian heiratet seine Stacey in Mexiko

kleiner reisebericht

dienstag, 29.11.
nur um sicher zu gehen, dass auf dem flieger, für den wir ermässigte tickets bekommen haben, genug plätze verfügbar sind rufe ich bei unserem reisebüro an. die auskunft, die ich bekomme, löst eine leichte panik aus ..... der condor flug direkt von frankfurt nach cancun wurde gestrichen...und was machen wir nun? nach langem hin- und hertelefonieren beschliessen wir, die lh-maschine frankfurt - mexiko-city zu nehmen und von dort aus mit mexicana nach cancun. da wir standby fliegen, können wir nur handgepäck mitnehmen. also schnell noch zwei köfferchen in handgepäckgrösse gekauft und es geht ans packen. der goldige ist ruckzuck fertig, aber ich habe probleme. frau braucht nun mal mehr, alleine die ganzen tuben und fläschchen, die zur täglichen renovierung gehören, nehmen ungeheuer viel platz weg. zum glück ist das bräutigam-mutter-hochzeitskleid knitterfrei bzw. eh knitterig und lässt sich prima rollen. ein paar schuhe für jeden anlass muss reichen ...... ich bekomme das bonsai-köfferchen kaum zu ... der rest muss in die grosse handtasche.

mittwoch 30.11.
wir verlassen unser schönes neues haus um 10 uhr morgens. haben beide eigentlich absolut keine lust, würden viel lieber bleiben und erst mal alles fertig einrichten und beim küchen-einbau selbst vorort sein...
kurz nach hamburg teilt der goldige mir mit, dass er seine unterhosen und die krawatte (standby-flieger sollten korrekt gekleidet sein, damit sie, falls nötig auch upgegradet werden können) vergessen hat..... das hätte mir passieren sollen....ich hätte mir bis frankfurt tiraden über meine vergesslichkeit anhören müssen ... wir fahren direkt zum flughafen, denn die neuen tickets müssen ja besorgt werden. leider können wir nicht, wie geplant am 8. zurückfliegen sondern müssen am 6. schon wieder abreisen, denn alle anderen flüge sind komplett ausgebucht, der nächst mögliche geht erst am 16. und das ist zu spät.

nun noch schnell im isenburg-center unterhosen und krawatte besorgen ... wieder bin ich froh, dass ich nichts vergessen habe ... hektik pur.

donnerstag 1.12.
leider ist der flieger ziemlich voll und wir bekommen nur noch zwei mittlere plätze in der vierer-reihe. die knie unangenehm nah am kinn, fliegen wir mexiko-city entgegen. 12 stunden können sehr lang sein. irgendwie eine moderne art folter. nun noch fast drei stunden aufenthalt und dann, sehr komfortabel in der business-class, 2 stunden bis cancun. wir kommen um 01:30 ortzeit an und sind jetzt seit 25 stunden wach.

der fahrer, der uns abholen soll, ist etwas nervös, denn er hat die anweisung, uns nicht in das von uns gebuchte resort zu bringen, denn das sei geschlossen. wir schauen auf seine liste. richtig, das resort in tulum ist durchgestrichen und der name eines anderen resorts handschriftlich drübergeschrieben. bei uns und einem zweiten deutschen ehepaar. ratlosigkeit. alle vier bestehen wir aber darauf, nach tulum gefahren zu werden. gleich hier sei erwähnt, dass das andere ehepaar, beide etwa mitte sechzig, kein englisch können. nach etwa einer stunde fahrt werden wir von einer polizeikontrolle gestoppt. da stehen wir nun im dunkeln todmüde auf einer landstrasse zwischen cancun und tulum. 15 lange minuten später hüpft der fahrer lächelnd wieder ans lenkrad und ne halbe stunde später rollen wir endlich auf das resort in tulum zu. erleichtert stellen wir fest, dass es mitnichten geschlossen ist. und als ob wir jetzt nicht schon genug abenteuer für einen tag hinter uns hätten, teilt uns der herr an der rezeption mit, dass unsere zimmer storniert worden seien. beide zimmer, das fürs ehepaar k. und das fürs ehepaar w. frau k. kann nun nicht mehr und fängt an zu weinen. der nette herr an der rezeption lächelt freundlich und meint, dass sei doch alles kein problem, sie hätten ja noch zwei zimmer, aber wir sollen ihm unsere kreditkarten geben, damit er sicher sein kann, sein geld zu bekommen.

nun fährt der bis dahin recht ruhig gebliebene goldige aus der haut. herr k. bekommt von mir erst mal eine übersetzung und flippt sofort auch aus. ich bekomme einen unpassenden kicheranfall und lasse die beiden herren zetern und brüllen, wende mich an den in der zwischenzeit zur unterstützung herbeigeeilten "nacht-chef" und lasse mich mit dem zimmer von maximilian verbinden. der kommt, logischerweise sehr verschlafen aus der wäsche guckend, sofort. besorgt uns ein glas sekt und möchte schlichten, indem er seine kreditkarte heimlich über den tresen schiebt. der goldige hats aber gesehen und motzt nun den armen max schrecklich an. er solle sich da raus halten, es ginge ums prinzip. mittlerweile telefoniert herr k. aufgeregt mit seinem reisebüro in deutschland und der goldige lässt sich mit der dame verbinden, die die zimmer storniert hat. es wäre müssig, das ganze chaos weiter zu beschreiben ... nur so viel, herr k. und herr w. werden von dem vorhaben, in der rezeption auf sofas zu übernachten abgebracht und aus rücksicht auf die inzwischen der ohnmacht nahen frau k. gibt auch herr k. seine kreditkarte her und wir können unsere zimmer beziehen. wir sind nun beide vollkommen aufgekratzt und kein bisschen müde mehr. wir stürmen die minibar, der goldige knottert und ich kichere weiter blöde vor mich hin .... so gegen 5 schlafe ich endlich ein.

freitag 2.12.
nach nur drei stunden schlaf wachen wir putzmunter auf. die sonne brüllt vom himmel und wir haben einen bärenhunger. schnell unter die dusche, pareo umgeschlungen und ab zum frühstücksbuffet. schlaraffenland pur. gesättigt und erstaunlich guter laune pilgern wir zum strand. auch hier gibt es die unsitte, früh morgens die raren im schatten stehenden liegen früh morgens mittels handtüchern zu reservieren und es ist schwer, noch zwei geeignete plätzchen zu finden. da ein angenehmes lüftchen, weht denke ich dumme kuh nicht weiter nach und muss dringend, ohne mich vorher mit sonnencreme zu salben, einen langen strandspaziergang machen. mein rücken und meine oberschenkel nehmen mir das so übel, dass man mich die verbleibenden drei tage nur noch im schatten mit einer bluse überm badeanzug und einem tuch über den beinen finden kann.

nach und nach gesellen sich max, seine minifamilie und sein bester freund aus deutschland samt freundin zu uns. die "kinder" wollen zusammen bootchen fahren und ich darf babysitten. lily ist fröhlich und oma selig.

nachmittags kommt der zweite freund aus deutschland mit seiner freundin im resort an. auch die beiden wollte man in ein anderes resort bringen.

samstag 3.12.
der goldige trifft sich mit dem deutschen reiseleiter von DER in der rezeption, um die lage zu klären. es wird ihm mitgeteilt, dass man sich den gästen zuliebe für diese umbuchung entschlossen habe, da das gebuchte resort in tulum wegen bauarbeiten nicht mehr dem preisstandard entspreche. (am nächsten tag erfahren wir jedoch von staceys mutter, die ein reisebüro in columbus hat, dass wegen des hurrikans niemand mehr die resorts in der nähe von cancun gebucht hat sondern alle nach tulum wollten, weil dort nur wenig zerstört wurde. und um jetzt die resorts in cancun wieder zu füllen, dachte man sich den trick mit den heimlichen umbuchungen aus.)

nachdem nun alles geklärt ist und man sich überschwenglich entschuldigt hat, geniessen wir strand, resort, essen, trinken, sonne, bar, familie "all inclusive" in vollen zügen.
sonntags lernen wir staceys familie kennen. mama, papa, bruder, schwester mit freund, cousin mit frau. alle sehr locker, sehr freundlich, sehr amerikanisch.


montag 5.12.
vormittags werden wir auf die bevorstehende trauung vorbereitet. muss schon alles ordentlich nach traditionellem plan verlaufen. die braut verbringt einige stunden im wellness-bereich. um 14 uhr muss max das zimmer verlassen und zieht mit allem, was bräutigam so braucht zu seinem best man aufs zimmer, nicht ohne vorher anweisungen zu bekommen, die hose noch mal zu bügeln, sich die blume ans hemd zu stecken, den ring nicht zu vergessen und pünktlich um 16 uhr vor der kapelle zu erscheinen. vorher hat er einen termin beim fotograf, auch der bräutigam muss professionell abgelichtet werden.

alle weiblichen hochzeitsgäste werden ab 15 uhr ins brautzimmer geladen. ich werfe mich ins lange schwarze und komme mir auf dem weg zwischen all den menschen in badeanzügen recht deplaziert vor. ist ein bisschen wir karneval. in staceys zimmer: die braut wird von der cousine frisiert, die mutter der braut bügelt, silke aus deutschland sitzt zusammen mit claudia, der freundin des best man, malerisch auf dem bett und hält lily im arm und die schwester der braut wuselt aufgeregt rum. wir werden alle mit champagner versorgt... es ist der erste wirklich heisse tag, kein windchen zur abkühlung mehr und sekt ist eh nicht mein ding. für einen kurzen moment komm ich mir vor, wie in einem falschen film.

kurz vor vier begeben sich alle ausser der braut und ihrem vater zur kapelle. dort warten die herren brav und ordentlich angezogen (zum glück war die kleiderordnung sehr locker, keine grauen anzüge, sondern lockere hemden und hosen). der pastor lässt auf sich warten. aber dann kann es endlich losgehen. nach amerikanischer sitte führt der best man jeden gast an den für ihn zuständigen platz. angehörige der braut links, angehörige des bräutigams rechts. eltern in die erste reihe. ich stecke dem best man noch schnell ein taschentuch zu, weiss ich doch, dass mein sohn garantiert die in oder andere träne verdrücken wird. die musik fängt an und klein lily kommt in ihrem weissen kleidchen und mit blumenkränzchen auf dem kopf

strahlend an beiden händen von ihrer tante gehalten auf den altar zugelaufen. jetzt muss ich heulen.

und dann erscheint die strahlende braut am arm ihres vaters. jetzt heult mein kind. ich habe selten so viel glück in den augen zweier menschen gesehen wie bei den beiden während der trauungszeremonie. lediglich als es ans ringeanstecken ging, guckte stacey kurz ganz erschrocken, lächelte dann verschämt und sagte : wir haben den ring im zimmer vergessen. 

ich hab den ring vergessen
ich hab den ring vergessen
 

max lachte laut und war sichtlich erleichtert, dass ihm das nicht passiert war. staceys bruder forderte spontan seinen cousin auf, seinen ring zur verfügung zu stellen. so wurde mein sohn mit einem geliehenen ring getraut ... er hatte sehr grosse mühe, ihn später wieder vom finger zu bekommen.

da der fotograf nur noch ein paar minuten zur verfügung steht, müssen wir schnell unseren sekt kippen und uns am strand für family-fotos einfinden. der goldige findets nicht so lustig, na ja ehrlich gesagt, ich auch nicht.

die stolzen mütter mit dem brautpaar
die stolzen mütter mit dem brautpaar

und dann nehmen wir an unter einem weissen zelt aufgebauten tischen am strand fürs abendessen platz. jesses, kitsch-romantik pur. und beim tanzen im sand zwischen palmen unterm karibischen sternenhimmel wurde mir dann endlich auch ganz warm ums herz.
nachdem um 9 der engagierte hotel-babysitter lily übernommen hatte wurde in der bar noch lange heftig und ausgelassen gefeiert.

am dienstag morgen genossen wir noch einige stunden strand und dann mussten wir auch schon wieder packen und zum flughafen fahren, nicht ohne vorher der neuen familie in den armen zu liegen. natürlich müssen wir uns recht bald gegenseitig besuchen und überhaupt.

zum glück flog 5 minuten vor unserer maschine nach mexico-city eine condormaschine direkt von cancun nach frankfurt und die hatte noch 100 plätze frei und man nahm uns mit. so waren wir nach 9,5 stunden nachtflug morgens wieder in frankfurt und nachmittags um 4 endlich wieder zu hause. zwischen unseren kisten.

 


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